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Eierlikör gegen Blasen oder: Wandern für Nicht-Wanderer

Es gibt Sportarten, die sich extremer Beliebtheit erfreuen. Und das obwohl sie langweilig sind. Das aber - lieber Leser - ist meine persönliche Meinung und beruht auf Geschmack und Erfahrung. Laufen und Wandern gehören für mich zu jenen Freizeitbeschäftigungen, mit denen man mich jagen kann. Man kommt nicht richtig voran und mit der aufgewendeten Zeit verhältnismäßig wenig rum. Außerdem tut alles weh - bei den Knien angefangen über Wadenzerrungen bis hin zu mächtigen Blasen an den Füßen. Insofern vermeide ich sehr gerne jeden überflüssigen Schritt zu Fuß. Nicht zeitgemäß, ich weiß. Wo doch jeder zweite heute mit einer komischen Uhr durch die Gegend läuft, die einem mitteilt, wieviel Schritte man an diesem Tag noch zu laufen hat, um nicht irgendwann als degenerierter Fleischklops zu enden. Dachte ich doch, dass ich auf keinen Fall solchen Zwängen anheimfallen würde und daher sämtliche doofen Fitness-Armbänder, Sportuhren und Lifestyle-Apps verneine, machte mich mein Handy neulich penetrant darauf aufmerksam, dass ich von meinem Tagesziel noch sprichwörlich meilenweit entfernt sei. Tagesziel? Wat fürn Tagesziel? Ich habe keins. Doch weit gefehlt. Auf meinem Smartphone befindet sich werksbedingt eine App, die ich definitiv nicht heruntergeladen habe, die sich aber ungefragt in meinen Tagesablauf einmischen will. Sie nennt sich "Health" und zählt gegen meinen Willen meine Schritte - und legt mal eben ein Tagesziel von 7.000 für mich fest. Frechheit. Wer gibt dieser App das Recht, zu entscheiden, wieviel Schritte ich am Tag machen soll? Den Teufel werde ich tun. Und überhaupt: Eine App, die sich Health nennt und einen zum Laufen animieren will - ein Widerspruch in sich. Ich habe sofort das Tagesziel auf das Doppelte programmiert, damit das Erreichen dieser Schwelle so weit in die Ferne rückt, dass ich keinesfalls in Versuchung gerate, mich an dessen Erreichen zu beteiligen.

Wie auch immer, am vergangenen Wochenende konnte ich nicht anders. Meine Leidenschaft zur exzessiven Benutzung zweirädriger Vehikel wurde mir zum Verhängnis. Da ich nämlich im vergangenen Jahr mit dem Radclub an einer bestimmten Anzahl an Veranstaltungen teilgenommen hatte, kam ich in den Genuss des vom Club gesponserten Ausflugs "Hüttenwanderung durch die Rhön". Na toll. Wieso fahre ich denn Rad? Damit am Ende doch laufen muss? Gesagt getan, als Mitglied des Vorstandes kann man sich nicht so einfach drücken. Und so wanderten wir irgendwo los. Bei Schneetreiben und strengem Wind. Zum Glück gibt es kein Club-Event dieses Kalibers ohne ausreichende Unterbrechungen mit dem Ziel, verlorengegangene Energie und aufkommende Schmerzen aufgrund fortgeschrittener Gelenk-Arthrose und nach bereits wenigen hundert Metern beginnender Blasenbildung an der Ferse mit Eierlikör entgegenzuwirken. Drei Tage lang durch die schöne Rhön - bei zweifellos höchst glücklichen Bedingungen. Es war kalt geworden und hatte geschneit. So wurde man doch bisweilen durch eine tadellose Fernsicht und hinreißende Mittelgebirgs-Panoramen entschädigt. Die Geselligkeit ließ natürlich auch nicht zu wünschen übrig so dass die Arbeitswoche zwar mit Verspannungen, wunden Füßen aufgrund erheblicher Überschreitungen des Tagesziels beginnt, dennoch aber mit der Erinnerung an ein höchst amüsantes Aktivwochenendes. Nochmal allerdings brauch ich das nicht...

 Der Erste Eierlikör-Zwischenstopp
Blessuren bleiben nicht aus. Da war wohl ein Stolperstein im Wald. 
Erste Übernachtung im Würzburger Haus



...möge das Wetter mit uns sein



Komischer Vogel in der Rhön


Wenn es vorbei ist, schlage ich drei Kreuze
Und wieder runter vom Kreuzberg

Orientierungslosigkeit vor der Hütte

die nächste Hütte, das Neustätter Haus


Fast wie damals in der Jugendherberge - Zimmerparty reloaded

So endet mancher Weg: Fusel unter der Brücke

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