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Ein Magazin mit (fast zu viel) Niveau

Haste eine, haste alle: Die Radmagazine -
äußerst austauschbar
Einmal im Monat rappelts im Briefkasten schwer. Da liegen sie dann - fast zeitgleich. Tour und Roadbike DIE Rennrad-Magazine. Hier findet man alles, was das Herz des Radlers begehrt: Technik, Reisen, Rennen, Mode, Trainings- und Ernährungstipps, Kleinanzeigen und Interviews mit schnellen Menschen. Ja und? Genau! Wer nämlich diese Zeitschriften über einen längeren Zeitraum liest, wird feststellen, dass sich eigentlich alles wiederholt.

Im Frühjahr die Räder der Saison, Trainingspläne zum Fitwerden für den Sommer. Im Sommer die Mode der heißen Saison, Trainingspläne zum Fitwerden für den Saisonhöhepunkt im Spätsommer. Im Herbst die Parts der nächsten Saison, Trainingspläne zum Fitbleiben während der Trainingspause. Im Winter die Crossräder der Saison, Trainingspläne zum Fitwerden nach der Trainingspause. Und die Bilder ähneln sich alle irgendwie: dynamisch drahtige Männer und Frauen in buntem Outfit mit hightech-Rennmaschinen in schöner Kulisse mit sichtlich Spass inne (Po-)Backen. Gähn. Aber man liest es trotzdem immer wieder. Schon alleine, weil man die Werke abonniert hat. Die ideale Lektüre für muskelkrampfdurchzogene Couchphasen nach der Trainingseinheit, für die Badewanne oder längere Toilettengänge. Also durchweg Situationen, in denen Körperfunktionen nahezu ungesteuert und die Gehirnzellen im Standby-Modus laufen, allenfalls in der Lage, geistige Nahrung in der Gewichtung von Knäckebrot zu verdauen.

Licht am Ende des Tunnels

Halt! Das war's noch nicht. Die Gazzetten-Landschaft hat noch ein As im Ärmel. Schon mal vom Magazin "fahrstil" gehört? Nein? Das ist ein wenig unkonventionell, durchaus textlastig aber immer - wie der Name schon vermuten lässt - stilvoll und eine Augenweide für designverliebte Schöngeister. Nicht von ungefähr wurde das Blatt vor kurzem mit einer Fülle von Designpreisen überhäuft. Und um es gleich zu sagen: Wer das Magazin mal so bei DSDS oder Supermodel, oder meinetwegen auch der Tagesschau durchschmökern will, wird sich schwertun. Die Artikel sind intellektuell und... verdammt gut. Aber eben nichts für "mal so nebenbei". In der aktuellen Tour oder Roadbike (wer weiß das schon?) ist ein Bericht über Frauen-Radfahren. Also Mädels auf Rennrädern und gewisse Aktionen, die das ganze fördern sollen. Jaja, das haben wir schon öfter mal gesehen (und nie wirklich gelesen). In der vorletzten fahrstil mit dem bezeichnenden Leitthema Arsch (jedes Heft steht unter einem anderen Generalmotto. Das neue trägt den Titel "Mode", das davor "Schweinehund") wurde das Thema ebenfalls aufgegriffen. Ich fing also vorsichtig an zu lesen, bereit, schon beim kleinsten Anflug aufkommender Langeweile, Klischeeverdruss oder Mitleidsgefühlen weiterzublättern. Aber nein, der Bericht war interessant, unglaublich gut recherchiert, informativ und stilistisch genial geschrieben. Und überhaupt kann man so fast alles einfach so lesen, weil es eben interessant aufbereitet ist. Es ist ein Magazin, in dem man nicht das liest, was einen interessiert, sondern man lässt sich vom Magazin für gewisse Themen interessieren. Einziger Wermutstropfen: Das Ding kostet 15,- pro Ausgabe. Aber dafür kommt es auch nur 4 Mal im Jahr.

Link zum fahrstil Magazin im Internet


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