Zum Jahresanfang 2026: Vermeintliche Winterromantik und Gedanken an eine Zeit, in der es wirklich romantisch war
Und da ist es schon, das neue Jahr. Es ist ja nun leider so: Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. Als Kinder konnte es nicht schnell genug gehen bis Weihnachten, Silvester und der Geburtstag Anfang Januar endlich kamen. Zäh wie Honig zog sich die Zeit dahin und die Ungeduld war kaum zu ertragen. Heute ist der Sommer kaum rum, da steht auch schon Weihnachten vor der Tür und rauscht mit Macht heran. Dabei ist es wie in einem Strudel: Anfangs ist die Geschwindigkeit moderat und man kreiselt langsam auf das Ziel zu und dann wirbelt man immer schneller und schneller bis einem ganz schwindelig wird und man schließlich vom Ziel verschluckt wird. Und gefühlt wir es von Jahr zu Jahr schlimmer. Und wenn man bedenkt, wie schnell so eine Woche heute vergeht. Kaum ist Montag, ist auch schon Mitte der Woche und dann Wochenende und dann wieder Montag und so weiter. Und die Zeit rast dahin. Wo soll das nur hinführen? Wenn man bedenkt, man die meiste Zeit des Lebens schon hinter sich und die wenigste noch vor sich hat und die Zeit nicht nur auf einen zu- und vorbeirast und noc h dazu immer schneller rennt, dann bleibt ja eigentlich nicht mehr so viel. Vielmehr bleibt eher die Frage – um auf das Beispiel mit dem Strudel zurückzukommen – was erwartet mich eigentlich am Ende des Strudels? Die Mitte, das Loch? Was ist das? Und wie empfinde ich die Restzeit des Lebens, wenn diese immer mehr beschleunigt. Dieser Prozess hat so mit 40 herum begonnen und nachdem er einmal in Gang gesetzt war, konnte ihn nichts mehr aufhalten. Was bleibt, sind die Gedanken an früher und dass damals alles besser – oder sagen wir – anders war. Aber irgendwie doch besser. Zum Beispiel der Winter. Klimaerwärmung hin oder her, es lag als Kind eigentlich immer Schnee im Winter.
Aber er kam eigentlich nie schon Weihnachten. Uns war immer klar, dass dann, Anfang Januar, das mit dem echten Winter erst losgeht. Und so war es oft: Wir unternahmen zu meinem Geburtstag am 6. Januar sehr oft eine kleine Wanderung von unserem Dorf durch die verschneiten Felder über einen Hügel zu einem anderen Dorf, in dem ein Restaurant war. Daran erinnere ich mich heute nicht mehr – also an das Restaurant, sehr wohl aber an den Weg dorthin. Einmal sogar – uns war vor kurzem eine kleine Katze zugelaufen – folgte uns diese vielleicht die Hälfte der Strecke und kehrte dann wieder um. Heute wäre man sehr besorgt und würde sich vielleicht ein bisschen verrückt machen, damals aber war das irgendwie "ganz normal". Die Katze kehrte unbeschadet und sicher wieder zurück und begrüßte uns bei unserer Rückkehr. Es war diese Routine, diese Verlässlichkeit und dieses Vertrauen, das uns damals fest daran glauben ließ, dass es jedes Jahr so sein sollte und Veränderungen am Status Quo irgendwann möglich waren aber nicht herbeibefürchtet wurden – wie das leider heute üblich ist. Oder liegt es am Alter? Ist man als Kind so wenig unbesorgt, dass man sich darüber keine Gedanken mach? Vielleicht haben unsere Eltern damals auch schon so gedacht. Ich muss mal zuhause nachfragen...
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